| SoZ - Sozialistische Zeitung |
Nun hat sich der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger von sich selber "distanziert" und sich auch noch bei den Angehörigen von Nazi-Opfern entschuldigt. Die Parteichefin hat ein Machtwort gesprochen etwas scheint von ihrer politischen Erziehung in der DDR ja doch hängen geblieben zu sein. Wer weiß, ob sich einer der CDU-Granden aus den westlichen Bundesländern dazu hätte aufraffen können.
Die Empörung in der CDU gegen seine Trauerrede hat sich vor allem an Oettingers Satz festgemacht: "Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil. Er war ein Gegner des NS-Regimes."
Das war zuviel des Guten, selbst notorische Reinwascher alter Nazis konnten dem nicht zustimmen. Oettinger hat in seiner Rede aber auch andere Dinge gesagt, für die er sich nicht entschuldigt hat, für die Angela Merkel auch keine Entschuldigung von ihm gefordert hat und die in der CDU munter weiter kolportiert werden dürfen. Dazu gehören Sätze wie: "Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte." Oder: "Er hatte nicht die Entscheidungsmacht und nicht die Entscheidungsfreiheit, die seine Kritiker ihm unterstellen."
Selbst bürgerlich-liberale Historiker bestreiten dies heute entschieden. Der Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette erklärte dazu in der Süddeutschen Zeitung vom 17.April: "Er war nicht nur ein Mitläufer, er hat eine Herrschaftsfunktion als Ankläger und Marinerichter ausgeübt ... Sein oberster Antrieb war die Funktionstüchtigkeit der Hitlerschen Kriegsmaschinerie ... Es hätte keine Gefahr für Leib und Leben bestanden. Doch Filbinger hatte keine Zivilcourage, er wollte nur Karriere machen."
Für diese Analyse, die Rolf Hochhuth in den 70er Jahren schon vorgenommen hat, wurde der Schriftsteller damals böse angefeindet. Er hat über die "furchtbaren Juristen", wie er sie nannte, ein Theaterstück geschrieben, das Filbinger genau so charakterisierte: ein Karrierist, der über Leichen ging.
Nachfolgend Auszüge aus dem Stück, das vielleicht wenig literarischen, dafür aber bis heute politischen Aufklärungswert besitzt. Der darin auftretende Heilmayer ist allerdings eine Kunstfigur, er verkörpert keine Filbinger-Biografie, was der Treffgenauigkeit der Charakterisierung keinen Abbruch tut:
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