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Homepage SoZ - Sozialistische Zeitung, Mai 2007, Seite 22

Mord und Todschlag

Ross Thomas: Umweg zur Hölle, Berlin: Alexanderverlag, 2007, 423 S.

Das Krimigeschäft ist ein schnelllebiges, wenigen Autorinnen und Autoren gelingt den Status eines Klassikers zu erreichen. Die der Hardcoverversion regelmäßig folgende Herausgabe als Taschenbuch trägt häufig schon den Charakter eine Ramschaktion. Umso erfreulicher sind Weiderentdeckungen, wie etwa die Neuveröffentlichung von Ross Thomas‘ Roman Umweg zur Hölle, eines Krimis, der in den ausgehenden 70er Jahren an der US-Ostküste spielt. Der Leser wird in eine USA entführt, der noch nicht alle Hoffnung auf ein gutes Leben für alle abhanden gekommen ist. Die beiden Protagonisten, ehemalige Zöglinge eines Waisenhauses, kleinkriminelle Geschäftemacher, einer davon ein Halbchinese mit möglichen Ansprüchen auf den Kaiserthron im Reich der Mitte, werden von einem Dollarmillionär beauftragt, die Schwester der Ehefrau ausfindig zu machen. Die Schwestern, eine Dritte starb an Drogen, waren in den 60er Jahren ein erfolgreiches Poptrio, deren Wege sich am Ende ihrer gemeinsamen Karriere trennten. Der eine schloss zur legalen Upperclass auf, der andere wurde zur Geliebten eines Mafiachefs, die letzte blieb ihren Idealen eines amerikanischen Sozialismus treu und versuchte, Maoisten und Trotzkisten von ihren Idealen zu überzeugen.
Letztere, Silk Armitage, ist wie vom Erdboden verschwunden nachdem sie wohl Zeugin eines Mordes an einem Abgeordneten und dessen Frau geworden ist. Artie Wu und Quincy Durant nehmen sich des Falles an. Doch nichts ist, wie es scheint. Die beiden Aushilfsdetektive selber sind verwoben in ein inoffizielles Regierungsprojekt, die Verbindungen stammen aus der Zeit des Vietnamkriegs und es geht nicht nur um die Wiederauffindung einer untergetauchten Sozialistin. Ross Thomas bestätigt, dass Politik ein dreckiges Geschäft ist, alte Loyalitäten nichts zählen, aber das es Gegenkräfte — wenn auch nur auf individueller Ebene — gibt, die trotz ihrer Abhängigkeiten nur bedingt korrumpierbar sind, auch wenn es sich um gekaufte Polizeichefs handelt.
Ein reizvoller Ausflug in eine USA, die es so nicht mehr gibt.

Udo Bonn



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