| SoZ - Sozialistische Zeitung |
Das Krimigeschäft ist ein schnelllebiges, wenigen Autorinnen und Autoren gelingt den Status eines
Klassikers zu erreichen. Die der Hardcoverversion regelmäßig folgende Herausgabe als Taschenbuch trägt häufig schon
den Charakter eine Ramschaktion. Umso erfreulicher sind Weiderentdeckungen, wie etwa die Neuveröffentlichung von Ross Thomas
Roman Umweg zur Hölle, eines Krimis, der in den ausgehenden 70er Jahren an der US-Ostküste spielt. Der Leser wird in eine USA
entführt, der noch nicht alle Hoffnung auf ein gutes Leben für alle abhanden gekommen ist. Die beiden Protagonisten, ehemalige
Zöglinge eines Waisenhauses, kleinkriminelle Geschäftemacher, einer davon ein Halbchinese mit möglichen Ansprüchen
auf den Kaiserthron im Reich der Mitte, werden von einem Dollarmillionär beauftragt, die Schwester der Ehefrau ausfindig zu machen. Die
Schwestern, eine Dritte starb an Drogen, waren in den 60er Jahren ein erfolgreiches Poptrio, deren Wege sich am Ende ihrer gemeinsamen
Karriere trennten. Der eine schloss zur legalen Upperclass auf, der andere wurde zur Geliebten eines Mafiachefs, die letzte blieb ihren Idealen
eines amerikanischen Sozialismus treu und versuchte, Maoisten und Trotzkisten von ihren Idealen zu überzeugen.
Letztere, Silk Armitage, ist wie vom Erdboden verschwunden nachdem sie
wohl Zeugin eines Mordes an einem Abgeordneten und dessen Frau geworden ist. Artie Wu und Quincy Durant nehmen sich des Falles an. Doch
nichts ist, wie es scheint. Die beiden Aushilfsdetektive selber sind verwoben in ein inoffizielles Regierungsprojekt, die Verbindungen stammen aus
der Zeit des Vietnamkriegs und es geht nicht nur um die Wiederauffindung einer untergetauchten Sozialistin. Ross Thomas bestätigt, dass
Politik ein dreckiges Geschäft ist, alte Loyalitäten nichts zählen, aber das es Gegenkräfte wenn auch nur auf
individueller Ebene gibt, die trotz ihrer Abhängigkeiten nur bedingt korrumpierbar sind, auch wenn es sich um gekaufte Polizeichefs
handelt.
Ein reizvoller Ausflug in eine USA, die es so nicht mehr gibt.
Informationen und Meinungen sollten keine Waren sein. Und Geld ist ein Fetisch.
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