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Homepage SoZ - Sozialistische Zeitung, Mai 2003, Seite 21

Enemy of the Enemy

Dr Das (Bassist bei Asian Dub Foundation) und Chandrasonic (Gitarren bei ADF) arbeiteten Anfang der 90er Jahre als Musiklehrer im Stadtteilprojekt "Community Music". Rapper Deeder Zaman war einer der Schüler von Dr Das. DJ Pandit G arbeitete als Sozialarbeiter und als DJ in einem antirassistischen Soundsystem. Sun-J kam 1995 zur Band und kümmert sich seitdem vor allem um das Programmieren. Das ADF hat die neue Produktion nach dem Projekt benannt, wo alles begann. Damit wird deutlich, dass sie sich nicht von ihren Wurzeln entfernen wollen, von ihrer Arbeit in sozialen und antirassistischen Projekten, denen sie sich bis heute zugehörig fühlen. Ihre Kritik an Bands wie "Clash" bewegt sich eben auf dieser Ebene: "Als sich der Erfolg einstellte, haben diese Gruppen ihr Milieu verlassen. Wie weit sich der Anspruch von ADF durchhalten lässt, bleibt abzuwarten. Bisher ist ihr Erfolg gerade so groß, dass sie widerstehen können", schrieb ich 1999 in der SoZ.
Es ist an der Zeit, anlässlich der neuen CD Enemy of the Enemy dies zu überprüfen. Seit "Community Music" 1999 ist einiges passiert. Rapper Deeder Zaman verließ im Jahre 2000 die Band, um Basisarbeit in Sachen Menschenrechte und Antirassismus zu leisten, wie es auf der Webseite der Band heißt. Im Jahr darauf wurde die Band als Botschafter britischer Kultur nach Brasilien geschickt, wo sie Auftritte, aber auch jede Menge Workshops absolvierten.
Seit dem 18.6.2002 ist Satpal Ram frei. Für den Engländer asiatischer Herkunft hatte die Kampagne gegen sein rassistisches Urteil, die Asian Dub Foundation nicht nur mit dem Lied "Free Satpal Ram" aus der Taufe gehoben hatte, Erfolg.
Ist nach so viel Erfolg ihre Musik braver geworden? Mit Sicherheit nein. In Fortress Europa fordern sie auf, die Mauer um Europa einzureißen. Von ihrer Reise nach Brasilien brachten sie "19 Rebellions" mit, ein Lied, in dem um einen Gefängnissaufstand im Oktober 1992 in So Paulo geht, bei dem 111 Gefangene vom Militär abgemetzelt wurden.
Die Lyrics sind weiterhin ein Statement gegen den alltäglichen Rassismus. Die Musik ist noch vielfältiger, aber auch etwas glatter geworden als in den vorangegangenen Produktionen. Nicht nur, dass wieder Musik, die absolut ins Tanzbein geht, geboten wird, wie bspw. in "La Haine", in dem es um Rache geht, es wird auch einmal ruhiger. Für 1000 Mirrors haben sie Sinéad O‘Connor als Gastsängerin gewonnen, die das Thema häuslicher Gewalt verdammt eindringlich präsentiert.
Auch ansonsten strotzt die CD von prominenten Gastmusikern. Genannt seien nur Radiohead- Gitarrist Ed O‘Brian und Hindi-Sängerin Sonia Mehta. Dass die Regler am Mischpult nicht ganz so strapaziert wurden wie auf dem Vorgängeralbum Community Music, dafür sorgte Adrian Sherwood.
Adrian Sherwood, der gerade sein "erstes" Soloalbum Never Trust a Hippie veröffentlicht hat, ist und bleibt etwas ganz besonderes im Bereich der Mischkunst. Zwar hat er nicht persönlich alle Stücke der CD abgemischt, aber als Produzent sicherlich überall ein gewichtiges Wörtchen mitgesprochen. Dabei so klein als Produzent auf dem Booklet zu erscheinen, ist eigentlich etwas wenig. Das Booklet enthält im Übrigen alle Texte. Aber ADF sind auch eine der hervorragendsten Live-Bands, die sich in diesem Jahr auf den Bühnen tummeln wird.

Tommy Schroedter

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