SoZSozialistische Zeitung

Zur SoZ-Homepage SoZ - Sozialistische Zeitung, Dezember 2005, Seite 23

Kino

Drum

Südafrika/USA/BRD 2004, Buch: Jason Filardi, Regie: Zola Maseko. Mit Taye Diggs, Gabriel Mann, Moshidi Motshegwa u.a. Kinostart: 1. Dezember 2005

Mit Drum kommt erstmals ein von einem »schwarzen« südafrikanischen Regisseur gemachter Film über die Apartheid in die deutschen Kinos. Zola Maseko hat in den 80er Jahren bei Umkhonto We Sizwe, der militärischen Organisation des ANC, gegen die Apartheid gekämpft. Mit Drum präsentiert er seinen ersten langen Spielfilm. Beim afrikanischen Filmfestival FESPACO 2005 in Ouagadougou (Burkina Faso) erhielt er den Hauptpreis, den goldenen »Etalon de Yennenga«. Beim diesjährigen Filmfestival in München war Drum der Eröffnungsfilm.
Südafrika in den 50er Jahren. Erst wenige Jahre zuvor (1948) hatte die rassistische Nationalpartei unter der Führung von Daniel Franšois Malan und dem vom NS-Faschismus beeinflussten Hendrik Verwoerd die Macht übernommen. Sie hatte die »Wahlen«, an denen nur der weiße — also der von Europäern abstammende — Teil der Bevölkerung teilnehmen durfte, gewonnen.
Die radikalen burischen Nationalisten verschärften die in Südafrika schon vorher bestehende Rassentrennung zur Apartheid. Die Rassentrennung sollte so auf alle Bereiche des Lebens ausgedehnt werden. Bereits 1950 erließ die neue Regierung den berüchtigten Group Areas Act, ein Gesetz, das streng getrennte Wohngebiete für die Angehörigen der vier von der Regierung definierten »Rassen« (»Weiße«, »Asiaten«, »Mischlinge« und »Schwarze«) bestimmte. Aufgrund des Gesetzes wurden Tausende von »nichtweißen« Menschen vertrieben, die zuvor in gemischten Gebieten gelebt hatten.
Aber es gab auch noch fortschrittliche Stimmen wie das Magazin Drum unter der Leitung eines liberalen englischen Verlegers. Es entwickelte sich in dieser Zeit von einem besonders bei der schwarzen Mittelschicht beliebten Boulevardmagazin zu einer ernsthaften politischen Zeitung, die gegen die Apartheid Stellung nahm. Einen großen Anteil daran hatten der schwarze Journalist Henry Nxumalo und sein deutschstämmiger Fotograf Jürgen Schadeberg.
Der 1931 in Berlin geborene Schadeberg, der 1950 nach Südafrika ging, gilt als »Vater der südafrikanischen Fotografie«. Seine Fotos aus den 50er Jahren porträtieren den Alltag der Apartheid ebenso wie berühmte Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, darunter Nelson Mandela und Miriam Makeba (siehe www.jurgenschadeberg.com, sic!). Außerdem realisierte er 15 Dokumentarfilme über Südafrika. Im Film wird er von Gabriel Mann dargestellt.
Die Hauptperson des Films ist Henry Nxumalo dargestellt von dem US-amerikanischen Schauspieler Taye Diggs. Der 1918 geborene und 1957 ermordete Nxumalo nahm in der südafrikanischen Armee an der Seite der Alliierten am Zweiten Weltkrieg teil. Dadurch gelangte er nach Nordafrika und Großbritannien und bekam Kontakt zu Afroamerikanern. 1951 trat er bei Drum ein und begründete den investigativen Journalismus in Südafrika. Er schmuggelte sich als Arbeiter auf eine Farm ein, auf der schwarze Arbeiter noch wie Sklaven behandelt wurden, er ließ sich ins Gefängnis einliefern, um die Missstände dort aufzudecken und er war einer der Ersten, die von den Regierungsplänen zur Zerstörung Sophiatowns erfuhren.
Der Johannesburger Stadtteil Sophiatown ist gewissermaßen eine weitere Hauptperson des Films. Hier lebten die Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen in einem Stadtteil, heirateten untereinander, schlossen Freund- und Feindschaften und bildeten eine multiethnische Insel im Südafrika der beginnenden Apartheid. Gleichzeitig war Sophiatown eine kulturelle Hochburg, in der in den 50er Jahren viele Schriftsteller und Musiker lebten. Vor allem die Jazzclubs, in denen z.B. Miriam Makeba ihre ersten Auftritte hatte, waren berühmt. In Südafrika spricht man für die 50er Jahre von der »Sophiatown Renaissance«. Nxumalo war einer ihrer Protagonisten. Sophiatown war außerdem ein Zentrum der gegen die Apartheid gerichteten politischen Aktivitäten. Auch das zeigt der Film. So setzt er diesem Ende der 50er Jahre aufgrund des Group Areas Act zerstörten Quartier ein cineastisches Denkmal, nachdem ihm Don Mattera, Vater der Filmemachers Terry Mattera, in dem Roman Sophiatown — der auch ins Deutsche übersetzt wurde — bereits ein literarisches Denkmal gesetzt hatte.
Formal ist Drum klassisches Erzählkino, das trotz des ernsten Hintergrundes sehr unterhaltsam und leicht zu konsumieren ist. Die Bedeutung des Films liegt darin, dass er nicht aus der europäischen »weißen« sondern aus afrikanischen »schwarzen« Sicht gemacht ist. Außerdem bringt er dem deutschen Publikum einen Teil der südafrikanischen Geschichte nahe, der hierzulande fast unbekannt ist. Deshalb ist er sehens- und empfehlenswert.

Andreas Bodden

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